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Kairos im Nahen Osten

Den Augenblick erkennen. Und ausnutzen. Welche Chancen bietet er?

Was für Möglichkeiten sind in diesem Moment enthalten? Nun kommt es darauf an hellwach zu sein und zu reagieren. Ein Kairos. Kürzlich erzählte ein Gast in unserer Kirchengemeinde von einem Kairos in seinem Leben, der alles verändert hatte. Wie gut, dass er das Potential des Moments begriff und eine wichtige Entscheidung für sein Leben treffen konnte.

Der Apostel Paulus schreib im Epheserbrief, dass sogar in bösen Zeiten

jeder Augenblick darauf wartet, zu einem Kairos-Augenblick zu werden.

Wir haben böse Zeiten. Gestern Abend wieder zu sehen. Schlimme Bilder, die aus dem Nahen Osten in den Nachrichten übermittelt wurden. Ich dachte an die Kinder und ihre Mütter in den Flüchtlingslagern im Libanon. In Jordanien. Sie leben in einer Welt voller Gewalt. Verwundet. Traumatisiert. Gekennzeichnet für ihr ganzes Leben. Aber auch hier gibt es sie – die Kairos-Momente. Augenblicke, die das Leid unterbrechen und Hoffnung machen.

Traumatisierten Kindern kann geholfen werden

Das Leyla-Projekt ist für mich so ein Beispiel. Entstanden, weil wache Menschen die Chancen, entdeckten, die in einem Moment offen zu Tage traten. Traumatisierten Kinder geht es besser, wenn ihre Mütter gestärkt werden. Diese Vorgehensweise ist erfolgreich erprobt und wissenschaftlich belegt. Dr. Ann-Katrin Bockmann, Psychologin an der Uni Hildesheim, besuchte 2020 ein Flüchtlingslager in Jordanien und war erschüttert vom Ausmaß des Elends.

Als sie von Forschungsergebnissen hörte, die eine syrische Psychologin auf einem Fachkongress vorgestellt hatte, wurde sie aufmerksam. Diese hatte herausgefunden, dass von einer Traumabegleitung der Mütter direkt auch ihre Kinder profitieren – der Schlüssel zur Heilung ganzer Familien.

Zurück in Deutschland begann Ann-Katrin Bockmann, ihr Netzwerk zu aktivieren. Sowohl sie als auch der international arbeitende Psychologe Prof. Dr. Tom Holmes sind in der Arbeit mit traumatisierten Geflüchteten erprobt. Gemeinsam mit dem Theologen und Traumatherapeuten Michael Borkowski aus Hannover schmiedeten sie den Plan, die Idee der Stärkung von Müttern vor Ort in die Tat umzusetzen.

Doch ohne die Akteure in der Zielregion, im Libanon und in Jordanien, gäbe es dieses Projekt nicht. Zentral ist dabei die seit Jahren in der Arbeit mit Geflüchteten tätige Hilfsorganisation Ithraa. Mentorinnen von Ithraa schulen Traumaberaterinnen für die Arbeit mit den Müttern. Ithraa ist der Partner des Leyla-Projektes vor Ort.

Organisatorisch getragen wird das Leyla-Projekt von den Flüchtlingswohnheimen der Gemeinde am Döhrener Turm in Hannover. Dort sammeln viele engagierte Menschen seit Jahren wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Geflüchteten und ihren oft dramatischen Lebensgeschichten.

Ein wachsender Freundeskreis unterstützt inzwischen finanziell und im Gebet das Leyla-Projekt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Afrika und in Lateinamerika, die in einem ähnlichen Umfeld Geflüchtete unterwegs sind, wurden auf das Projekt aufmerksam und versuchen nun vor Ort die Leitidee umzusetzen. Inzwischen konnten über 100.000 EURO gesammelt werden. Die Arbeit in Jordanien weitet sich aus und auch im Süd-Libanon wird trotz immer bedrohlicher werdender Gefahren weiterhin versucht, Mütter und Kinder zu begleiten.

Leyla-Projekt -ein Zeichen der Hoffnung                                                                    

Die politische Situation im Nahen Osten scheint mitunter aussichtslos. Böse Zeiten. Umso wichtiger ist es, den Blick für den Kairos offenzuhalten. Ich bin überzeugt, dass im Großen und im Kleinen jeder Tag die Chancen für Frieden und Heilung enthält. Jede Zeitlinie wird immer wieder neu unterbrochen. Kairos. Das Leyla-Projekt ist dafür ein Zeichen. Ein Zeichen der Hoffnung!

Danke für alle Unterstützung.

Michael Borkowski